Bi Pro-voziert

Auszüge aus Zeitschriften , Broschüren u.a.

Allgemein politisches

 

Seit einiger Zeit beschäftigen sich etliche engagierte Lesben immer wieder mit der Frage :Wollen und können wir mit bisexuellen Frauen

zusammenarbeiten ? In der Praxis wird aus dieser einen oft eine andere Frage , etwa die , ob Bi-Frauen zum lesben - Schwoof dürfen oder ob sie beim Lesbenfrühlingstreffen willkommen sind. Bisher konnte weder die erste noch eine der anderen Fragen allgemeingültig beantwortet werden. Was ja auch kein Wunder ist. So leicht nämlich ;wie sich so manche das gerne vorstellt , ist Bisexualität nicht einzuordnen . Sexualität bzw. sexuelle Präferenz überhaupt lässt sich nicht simplifizieren nach dem Gut-Böse-Schema. Ganz im Gegenteil , die Sache wird noch dadurch komplizierter, dass die Grenzen der emotionalen wie sexuellen Vorlieben nicht fest sind, sondern ineinander übergehen .Oder, wie es in Artikel der amerikanischen Lesbenzeitschrift heißt :Lesben und Bisexuelle lassen sich nicht so einfach trennen wie Wasser und �l .�

Gerade im Feminismus , ursprünglich eine Theorie individueller Freiheit , wird öfters bezweifelt , Lesben und Bisexuelle Frauen verfolgen andere politische Interessen, und zum Teil mag das ja auch stimmen . Aber es gibt eben auch gemeinsame Themen , für die gekämpft werden kann .Das recht auf emotionalen und sexuellen Lebensstill sowie freie Partnerschaftswahl welcher Art auch immer ist dabei noch das offensichtlichste gemeinsame Ziel .Weitere gemeinsame Themen sind z.B. Diskriminierung in der Arbeitswelt oder Gewalt gegen Frauen , die bestimmten Normen nicht erfüllen .Bisexuelle Frauen zu akzeptieren würde außerdem zur Folge haben , sie gerade in ihrer Liebe zu Frauen zu stärken. Dadurch würden möglicherweise mehr Frauen in Frauenbeziehungen offen leben, und so würde auch die lesbische Lebensweise in der Öffentlichkeit sichtbarer. Dies hätte wieder rum den positiven Effekt , dass Frauenliebe eine breitere Basis und Zustimmung in dieser Gesellschaft finde .

Eigener Kommentar : dies ist genauso um -und anwendbar auch bei Schwulen ,Transsexuellen ,Intersexuellen ,Krankheiten usw. und andere �Gruppen� .

 

                                                                             

Behauptungen

Unterstellte Unfähigkeit zur Beziehung

 

Unglücklich macht dabei die Betroffenen vor allem, dass die über sie verbreiteten Klischees - und weniger die ihnen unterstellte geringe Intensität ihrer Gefühle - ihnen nahe legt, ihr Outing eher zu vermeiden . Gerade dies verhindert oftmals das Erreichen des eigenen Ideals vom persönlichen Glück : Die offen gelebte Partnerschaft zu einem Mann und einer Frau .

 

Partner können sich zurück gesetzt fühlen

 

Es ist nun mal so ,dass viele Menschen sich zurückgesetzt fühlen , wenn man außer zu ihnen auch einer dritten Person gegenüber Liebe empfindet . Das muss nicht extra provozieren. Tatsache ist aber , dass man oft in solch einer Konstellation keiner Beziehung den Vorzug gibt .

 

Hohe Anforderungen an das Toleranz-Empfinden

 

Dass das Thema Bisexualität in der Gesellschaft - ob Heteros oder auch Homos - häufig für Argwohn und Aufregung sorge - läge vor allem auch daran , dass eigene , übernommene Beziehungs-Normen gehörig provoziert würden . Selbst eine - per Eigendefinition - tolerante Gesellschaft macht nicht mehr mit , wenn Einzelne die offizielle Vorstellung von Liebe und Beziehung offen unterlaufen .

Bi-sex zerst�rt das Trugbild von Treue

 

Die große Mehrheit aller Partner geht irgendwann einmal fremd , aber es ist natürlich tabu, dies zuzugeben . Ein gegenteiliges Bild wird allgemein suggerieren . Will man nun offen bi leben , signalisiert man seiner Umwelt zuallererst : Ich bin meinen bisherigen Partner insgeheim nicht treu . Das triezt all diejenigen , die sich mehr als einen Partner insgeheim gönnen möchten , sich aber bislang konsequent versagten, natürlich heftig. Vor allem dieser Hintergrund sei es , der auch die meisten Schwulen- Lesben letztendlich auf Bisexuelle reagieren lasse . Der Weisheit letzter Schluss : Ein potentieller Partner , der von vorne her rein signalisiert , dass er auf Dauer nicht alleine zu haben ist , sorgt für Unmut und wird in vielfältiger Hinsicht abgelehnt .

 

Und wieder mal die Unentschlossenheit und die fehlende Emotionalit�t

Der amerikanische Altmeister der Sexualforscher , Alfred Kinsley , dessen gleichnamiger Report aus den frühen fünfziger Jahren immer noch als Standardwerk zur Erfassung und Beurteilung sexuellen Verhaltens gilt , fand heraus , dass Bisexualität offensichtlich häufiger vorkommt als ausschließliche Homosexualität : Bereits damals gaben 46 Prozent der Männer und 12 Prozent der Frauen an , dass sie sexuelle Erfahrungen mit beiden Geschlechtern besaßen .

 

Gerade in letzter Zeit annoncieren mit steigender Tendenz z.B. junge Männer um die zwanzig auf schwulen Pin-Bords , weil sie nach Partnern suchen. Immer wieder bemerkt man dann anzügliche Kommentare , die da lauten :�Der ärmste möchte wohl nicht wahrhaben , dass er bald endgültig zur Fraktion gehört.� Das mag in ein oder anderen fall sogar zutreffen - generalisieren lässt sich ein solches Wunschdenken aber keineswegs . Das Empfinden Bisexueller ist komplizierter ( was nicht negativ bewertet werden sollte und ist ) als man denkt.

Dass man letzten Endes mit Männern und Frauen ins Bett gehe , hängt zuallererst damit zusammen , dass in diesen Fällen eine starke Emotionalität entwickelt wurde. So beschrieb es z.B. eine Interviewperson : Das Gefühl muss erst einmal da sein . Danach ist überhaupt erst Sex möglich , egal ob mit einem Mann oder einer Frau .Es ärgert gewaltig , dass Bisexuelle in den Medien oft als wahllose Sex Junkies dargestellt werden .

 

 

Fragen aus einem Interview

E: Sie leben in fester Beziehung mit einem Mann. Nebenbei haben sie andere Partner .Einen? Mehrere ?

V: In der Regel mehrere , aber nicht mehr als zwei .Das w�re emotional nicht mehr zu verkraften .

E: Suchen sie ganz gezielt nach Affären ?

V: Ich verliebe mich einfach immer wieder neu .Je nach dem , wie stark - d.h. wie tolerantbereit - eine Partnerschaft ist - lebt sie weiter mit der nächsten oder geht zugrunde .

E: Eifersucht scheint bei Ihnen kein Thema zu sein ?

 

V: Das stimmt nicht . Aber was ich mir an Freiheiten nehme , muss ich auch meinen Partnern zugestehen. Und natürlich meinem Mann. Vorraussetzung für Akzeptanz ist absolute Ehrlichkeit. Wenn mein Mann Erlebnisse mit anderen Männern hat , find ich das als großartig . Ich habe viele Schwule Freunde und mag sie sehr . Mein Mann nimmt mir dabei ja nichts weg - weil ich ihm dass , was er von ihnen bekommt , nicht geben kann . Aber ich will alles wissen

 

E: Und wie ist es , wenn er mit anderen Frauen zusammen ist ?

 

V: Auch das erzählt er mir. Da bin ich aber auf Einzelheiten nicht so erpicht. Ich weiß ja wies ist .Es kommt dann bei mir so ein punkt , den man als Konkurrenzverhalten nennen könnte oder auch Eifersucht . Und den muss ich ganz einfach abarbeiten . Was nützt es, wenn wir aus Rücksicht aufeinander unsere Lust unterdrücken ? Haben wir dann mehr von uns ? Nein . Nur der Druck des Verzichts , und der macht bitter

und kalt.

E: Haben Sie keine Angst sich voneinander zu entfernen ?

 

Nein , unsere Beziehung hängt nicht von Dritten ab . Sie hört nur auf , wenn wir uns innerlich nicht mehr nahe sind . Aber wir kommen uns immer näher , weil wir unsere Erlebniswelt ständig erweitern und uns gegenseitig daran teilhaben lassen .

 

E: Wie reagieren Ihre anderen Partner /innen aufeinander ?

 

V: Die Frauen sind toleranter als die Männer . Denn bisexuelle Frauen hegen keine Besitzansprüche , weil sie wissen , dass das nicht funktioniert . Die Männer , mit denen ich bisher zusammen war , waren alle heterosexuell . Da sie von meinem Mann wussten , betrachten sie unsere Beziehung als ein reizvolles verbotenes Spiel.

 

E: Sind Bisexuelle nicht zu ständiger untreue verdammt ?

 

V: Für mich ist jemand untreu , wenn er unsolidarisch ist - wenn er mich ausschließt aus seinem Leben , mir wissentlich wehtut . Mit jemand anderen Spaß haben - ist in Ordnung. Nur Heimlichkeiten verletzen richtig .

E: Aber Bisexualität bedeutet auch häufigen Partnerwechsel .

 

V: Nicht unbedingt .Und in der Regel nicht häufiger als bei den Heteros. Es gibt bisexuelle Frauen und Männer , die über lange Zeit monogam mit einem Partner leben .

 

E: Nun wird vor allem Bisexuelle vorgeworfen , für die Verbreitung des Aids- Virus verantwortlich zu sein .

 

V: Das ist ein böser Vorwurf , der bei Überprufung nicht stand hält . Schwule und bisexuelle waren die ersten , die zuerst verantwortungsbewusst mit dem Sex umgegangen sind .Jüngste Erhebungen besagen , dass gerade heterosexuelle Freier noch jede menge extra bezahlen , um ungeschützten Verkehr zu haben und sich dabei oft infizieren.

 

E: Sie gehen sehr ehrlich mit ihrer Bisexualität um . Auch ihrem Sohn gegenüber ?

 

V; Wir haben es ihm nicht gesagt , wir haben es gelebt . Und er hat es auf diese Weise mitbekommen .Allerdings achten wir darauf , dass er nicht verunsichert wird . Wenn jemand nur für eine Nacht bei mir ist , wird mein Sohn dieser Person nicht begegnen . Andere Partner , mit denen mein Mann oder ich länger zusammen sind , lernt natürlich unser Sohn auch kennen .Das ist für ihn nicht schlimm , weil er es nie als schlimm erfahren hat . Er findet es ganz normal , wenn sein Vater mal mit einem Mann im Bett liegt . Ich denke es ist für ein Kind gut Erfahrungen zu machen , die außerhalb der engen gesellschaftlichen Norm liegen , wenn niemand geschädigt wird .

E: Glauben sie das jeder Mensch eine bisexuelle Veranlagung hat ?

 

V: Ich würde es nicht als veranlagung bezeichnen . Es hat wohl eher mit Sozialisation zu tun , mit Erziehung , mit Toleranz und persönlicher Freiheit . Gerade von der persönlichen Freiheit hängt es ab , ob ich es wage , gegen festgefügte regeln zu verstoßen . Generell glaube ich , dass es viel mehr bisexuelle Menschen gibt , als sich offen dazu bekennen .

 

E: Sie leben sozusagen zwischen zwei Geschlechtern ?

 

V: Oh nein , nicht dazwischen - eher darüber . Ich schöpfe aus beiden Brunnen und bin glücklich dabei .Für mich ist es die ideale Lebensform , denn Bisexualität bedeutet auch doppelte Lust .

 

                                                     

 

Noch ein kleiner Einwurf als Beispiel

Doch wie kann man als Bi eine Beziehung führen , ohne die andere Person zu verletzen und sich selbst in Gewissenskonflikten zu bringen ?

Auch hier findet sich eine große Anzahl an Varianten : da gibt es den Ehemann , der seine schwulen Kontakte heimlich auslebt , den ewigen Single, der sich alles offen lässt , die Frau die mit einem Mann und einer Frau zusammenlebt , ein Mann der seine homosexuellen Neigungen zwischen Beziehungen mit Frauen lebt und noch einer der sich vorstellen kann - jetzt nachdem er seine schwulen Leben geführt hat , für immer darauf zu verzichten , ohne diese Seite zu verleugnen . Vielfach ließe sich die Liste fortführen .

Dadurch dass sich Bisexuelle gezwungenermaßen mehr Gedanken über zwischenmenschliche Kontakte und Beziehungen machen , entwickeln sie oftmals ganz individuelle Beziehungsmodelle .

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