Bisexualität

Einfach gibt es nicht. Einfach „ein bisschen bi“, sagt der Volksmund, „schadet nie“. Doch so einfach ist es nicht. Denn bisexuell zu sein bringt eine Menge Schwierigkeiten und Vorurteile mit sich. Wie so oft, gibt es auch hier mindestens zwei Seiten.

Sich vor den Spiegel zu stellen und sich einzugestehen homosexuell zu sein, kostet Zeit und Kraft. Welch ein Segen bisexuell zu sein, wenn Coming Out und Selbsterkenntnis nur halb so schwer sind? Stars und Möchtegernsternchen outen sich als bisexuell. Wer auf beide Geschlechter steht, ist in.

Alles Augenwischerei. Viele Jungs und Mädchen sind eher zerrissen als glücklich damit, eine doppelte Auswahl zu haben. Das Problem ist selten die größere Auswahl, viel mehr die Einschränkung sich in dieser Gesellschaft entscheiden zu müssen. Entweder Mann oder Frau. Solange das Vergnügen eine Rolle spielt, stellt sich selten die Frage nach einem Familienleben, aber irgendwann ist sie da.

Zweierbeziehung wird zum Problem

„Wähle ich ein stinknormales Familienleben und unterdrücke wichtige Sehnsüchte oder gehe ich das Risiko ein mein eigenes Geschlecht zu lieben, vielleicht auf Kinder zu verzichten und mich gesellschaftlich wohlmöglich auszugrenzen?“

Solche Fragen stellen sich auch in einer Beziehung ohne weitreichendes Lebensziel. Bisexuelle Jungs und Mädchen lieben beide Geschlechter. Sie werden teilweise zu einer Entscheidung gezwungen, die sie nicht treffen wollen. Schnell wird daraus ein Vorurteil, dass Bisexuelle sich nicht trauen zu ihrer Homosexualität zu stehen, aber niemand behauptet, dass sie nicht zu ihrer Heterosexualität stehen. Ihnen wird selten zugestanden, dass sie für beide Geschlechter gleichermaßen etwas empfinden können. Die einseitige Sichtweise vieler Menschen passt nicht zur Bisexualität.

Bisexualität als Schein?

Sicherlich gibt es Jungs und Mädchen, die sich als bisexuell bezeichnen, um es sich selbst und Außenstehenden, wie z.B. Eltern und Freunden akzeptabler zu machen, eine Neigung zum eigenen Geschlecht zu besitzen. Es klingt manchmal nur halb so schlimm wie schwul oder lesbisch.

Auf der anderen Seite sehen sich viele bisexuelle Mädchen und Jungs gezwungen sich als homosexuell zu bezeichnen. Sie sind genervt und wollen sich einer langwierigen und überflüssigen Diskussion um ihre Sexualität entziehen. Sie geben vor, etwas zu sein, was sie nicht sind.

Kein Verständnis für eine weitere Sexualität

Ein Verhalten, das die meisten jungen Lesben und Schwule bestens kennen. Aber das Verständnis für noch eine weitere Sexualität hört meistens bei der eigenen auf. Mitunter ist das ein Grund, warum sich Bisexuelle immer häufiger auch außerhalb der homosexuellen Szene organisieren.

Weiterer Grund sich nicht als bisexuell zu outen: Egal ob homosexuell oder heterosexuell, der oder die andere hat häufig das Gefühl mit dem anderen Geschlecht konkurrieren zu müssen, mit dem Wissen dies nicht zu können. Darum lassen sich viele erst gar nicht auf Bisexuelle ein. Die Chance den Freund oder die Freundin beim eigenen Geschlecht zu verlieren erscheint sogar geringer. Erstaunlich, oder?

Sexuelle Identitäten halten selten ein Leben lang

Bisexualität heißt im Übrigen „Doppelgeschlechtlichkeit“ und kommt ursprünglich aus der Biologie. Eine bisexuelle Grundstruktur gibt es nicht nur bei Menschen, sondern bei allen Lebewesen. Es wird davon ausgegangen, dass sich die sexuellen Neigungen in der Pubertät ausbilden. Aber selbst wenn sich eine homo- oder heterosexuelle Identität ausgebildet hat, ist diese nicht bindend für das ganze Leben. Die sexuelle Identität kann sich mehrfach ändern.

Bin ich bisexuell?

Bin ich bisexuell, wenn ich als Junge Sex mit Jungs habe und Beziehungen mit ihnen haben, aber rein theoretisch mit einem Mädchen glücklich werden könnte? Die Antwort lautet ja.

Es gibt kein richtiges oder falsches bisexuell. Vielen fällt es aber leichter durchs Leben zu kommen, indem sie sich für eine Seite entscheiden. Gründe gibt es dafür mehr als einen. Manche haben schlechte Erfahrungen gemacht mit einem Geschlecht, andere möchten dem Hin-und-Her zwischen Jungs und Mädchen entfliehen.

Eigentlich gibt es keine Bisexualität, sondern nur bisexuelles Verhalten

Im Übrigen ist das Wort Bisexualität wissenschaftlich umstritten, denn es suggeriert eine Dreiteilung zwischen Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität, die es so nicht gibt. Der Sexualaufklärer Oswalt Kolle sagte, dass „jeder Mensch bisexuell ist“.

Denn im Prinzip befindet sich zwischen Homosexualität und Heterosexualität eine große Skala, in der sich die meisten Menschen einreihen können. Dieses würde man als bisexuelles Verhalten bezeichnen.

Jeder einzelne entscheidet für sich selbst, wie er/sie glücklich wird. Nicht immer ist die Entscheidung leicht und richtig. Manche haben einfach das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt, wenn sie nur mit einer Person zusammen sind. Sie möchten beides haben und manchmal gleichzeitig. Die „anderen“ Neigungen zu unterdrücken oder sie heimlich in einer Beziehung auszuleben sorgen für Stress und können mitunter zu gesundheitlichen Problemen führen.

Dreierbeziehung und viele Fragen

In Europa ist die Gesellschaft gerade dabei Homosexualität zu tolerieren. Dagegen ist das Verständnis für eine Art Dreierbeziehung noch sehr gering. Wenn Homosexuelle zusammenleben, Familien gründen und heiraten, ist dies nachvollziehbar, weil es sich um zwei liebende Menschen handelt. In keines der Weltbilder passt eine Beziehung zwischen drei Personen. Erst recht, wenn diese noch eine Familie gründen will. Wer ist dann Vater, und wer Mutter? Wie werden Verantwortungen geteilt und gibt es keine Probleme beim Sex? Fragen, die nicht immer zu beantworten sind, weil sie vielleicht nicht passen.

In den falschen Menschen verlieben?

Im Grunde genommen sind fast alle Menschen bisexuell. Doch im Laufe unseres Lebens werden wir geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Zufälle. Egal welche Einflüsse unsere sexuelle Identität auch prägen, sie muss nicht für ewig währen. Wer sagt dir, dass du dich in fünf Jahren nicht in jemanden verliebst, in den du dich gar nicht verlieben dürftest?

Aber was passiert, wenn das Leben eines Jungen oder Mädchens niemals soweit beeinflusst wurde, sich entscheiden zu müssen zwischen Mädchen und Junge, wenn eine sexuelle Identität nicht einseitig geprägt wurde? Dann ist dieser Jugendliche nicht homo- oder heterosexuell, sondern bisexuell.

Eines haben wir aber alle gemeinsam. Du, ich und all die anderen suchen einfach das Glück. Und einfach gibt es nicht.

Bisexualität Multikulturell

Als Bisexualität (eigentlich "Ambisexualität", nach der altgriech. Vorsilbe bi- für "zwei") bezeichnet man die Neigung, sich zu Menschen (beziehungsweise Artgenossen) unabhängig ihres Geschlechts sexuell hingezogen zu fühlen. Als Kurzform ist das Adjektiv bi gebräuchlich.

Obwohl es keine Voraussetzung für die Bisexualität ist, seine Neigung auszuleben, werden in der Regel Menschen als bisexuell bezeichnet, die mit Personen unabhängig ihres Geschlechts sexuelle Beziehungen und/oder Partnerschaften eingehen.

Als Bisexualität wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gelegentlich auch das Vorhandensein von beiderlei Geschlechtsmerkmalen an einem Individuum bezeichnet. Siehe auch: Intersexualität

Statistische Häufigkeit in westlichen Industrieländern

Wie hoch der Anteil der Bisexualität in der Bevölkerung ist, lässt sich nur schwer einschätzen, weil gleichgeschlechtliche Empfindungen häufig verschwiegen oder von den jeweiligen Personen nicht bewusst wahrgenommen werden. Aussagen in der Literatur bewegen sich daher sehr weit auseinander. Die obere Grenze bildet der Kinsey-Report, welcher 1948 zwischen 90 und 95 Prozent der Bevölkerung als "bis zu einem gewissen Grad bisexuell" einstufte. Tatsächliches bisexuelles Verhalten ist in den meisten Industrieländern aber laut jüngeren Umfragen zur Angelegenheit einer relativ kleinen Minderheit von häufig nicht mehr als 10 Prozent der Bevölkerung geworden. Einige Sexualwissenschaftler erklären dies aus der Durchsetzung einer "monosexuellen" Norm in unserer Kultur.[1]

Nach der Selbsteinschätzung der Befragten in repräsentativen Studien zu urteilen, ist Bisexualität unter Frauen in westlichen Industriestaaten weiter verbreitet als unter Männern. Darüber hinaus geben Menschen mittleren Alters bisexuelle Neigungen häufiger an als Personen jüngeren Alters. Hierbei könnte es sich um einen Generationeneffekt handeln, da die Prävalenz homosexueller Handlungen unter männlichen Jugendlichen laut einer bekannten Studie des Instituts für Sexualforschung an der Universität Hamburg in den letzten 30 Jahren von etwa 18 Prozent auf zwei Prozent abgenommen hat. Erklärt wird dies unter anderem mit der Angst, womöglich als "Schwuler" zu gelten.  [2]

Ursachen

Ebenso wie bei Homo- und Heterosexualität, so sind auch die Ursachen der Bisexualität noch nicht geklärt. Weit verbreitet sind biologistische und psychoanalytische Erklärungsmodelle.

Sigmund Freud etwa hat die These aufgestellt, dass im Grunde jeder Mensch bisexuell sei. Gesellschaftliche Zwänge und Tabus führten aber häufig zur Verdrängung des homosexuellen Anteils ins Unbewusste. Viele Wissenschaftler sind jedoch anderer Ansicht.

Bei der nicht belegbaren These, der Bisexualität läge die Entscheidung des Individuums zugrunde, handelt es sich um ein weit verbreitetes Vorurteil.

Bisexualität kommt auch relativ häufig im Tierreich vor. So gelten etwa die Zwergschimpansen als eine vollständig bisexuelle Tierart, die vor allem für ihren ausgeprägten "Lesbianismus" bekannt ist.

Bisexualität in anderen Kulturen

In manchen Gesellschaften, wie der griechisch-römischen Antike oder der islamischen Welt[3],, galt die erotische Anziehung zu beiden Geschlechtern als nahezu universelle Norm. Die ausschließliche Fixierung auf ein Geschlecht, wie wir sie heute unter den Begriffen "Homosexualität" und "Heterosexualität" kennen, mag es zwar gegeben haben, wurde aber nur selten zum Thema gemacht. Dort wo dies geschah, wie etwa in Pseudo-Lukians Die Arten zu lieben, ist die ironische Intention des Autors unverkennbar. So wird der eine von zwei Diskutanten in diesem fiktiven Dialog aus dem beginnenden vierten Jahrhundert n. Chr. mit dem Stigma der Effeminiertheit bedacht, weil sich sein erotisches Interesse ausschließlich auf Frauen richtet, während der andere als Kauz erscheint, da er aufgrund seiner sexuellen Neigungen einen rein männlichen Haushalt führt.

Auch viele islamische Geistliche des Mittelalters sahen, obwohl sie den gleichgeschlechtlichen Verkehr gemäß ihrer Religion als schwere Sünde bewerteten, die erotischen Anziehung gegenüber beiden Geschlechtern als eine Grundgegebenheit des menschlichen Daseins an. So schreibt der im Jahr 1200 nach christlicher Zeitrechnung verstorbene hanbalitische Rechtsgelehrte Ibn al-Gauzi: "Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne Knaben erblickt], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen."

Wegen der patriarchalen Verfasstheit vieler vormoderner Gesellschaften bleiben verlässliche historische Aussagen oft auf die Sexualität von Männern beschränkt. Eine literarische Bewegung, die weibliche Interessen widerspiegelte, entstand erst im Europa des 18. Jahrhunderts. Die Liebe zwischen zwei Freundinnen bildete dabei eines der populärsten Themen. Manifeste sexuelle Beziehungen blieben aber wegen ihrer gesellschaftlichen Anstößigkeit grundsätzlich ausgespart. Stattdessen war romantisierend von der Freundschaft oder "Seelenverwandtschaft" zwischen zwei Frauen die Rede, die auch durch die Heirat mit einem Mann nicht unterbrochen werden konnte.

Etwas anders verhielt es sich in der arabischen Welt, wenn die Lebenswelt von Frauen ausnahmsweise einmal in den Fokus der Literatur geriet. Sexuelle Beziehungen wurden hier relativ offen bei ihrem Namen genannt. Gebräuchlich war vor allem der Begriffe sihaq (dt. "Reiben") als Bezeichnung für die sexuelle Praktik der Tribadie.[4]  Die Liebe zwischen zwei Frauen wurde dabei literarisch nicht als Widerspruch zur Ehe konstruiert, obwohl manche Juristen die Tribadie als strafbare außereheliche Aktivität ansahen. Deren Nachweis durch die von der Schari'a verlangten vier Augenzeugen war aber praktisch unmöglich, so dass dieses Verbot rein theoretischer Natur blieb.  [5]

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